Ratinger Bienenzuchtverein

von 1868 e. V.

Bauplätze für Wildbienen

Was Vogelschützer schon seit langem mit dem Aufhängen von Nistkästen praktizieren, ist auch für Bienen möglich: Wir bieten ihnen Nisthilfen in Holz, Stein, Pflanzenstengeln und Lehmwänden an. Wir stellen Ihnen hier zwei Varianten vor.

Die Wildbienenwand

Eine Wildbienenwand ist schnell gemacht. Mit ein paar Holztablaren errichten wir ein Gestell an einer regengeschützten Hauswand oder versehen es mit einem Regendach. Wir achten darauf, dass wir gut besonnte südost bis südwest orientierte Standorte auswählen. Auf das Gestell kommen nun verschiedene Requisiten für Nistplätze.

1. Hartholz mit Nistgängen
Entrindete, unbehandelte Hartholzstücke von Buchen, Eichen oder Eschen (Nadelhölzer sind ungeeignet), am besten Quader, die platzsparend gestappelt werden können. In die Stirnseite der Hölzer 5-10 cm tiefe Löcher mit wechselnden Durchmesser (3-10 mm) bohren. Danach Bohrmehl herausklopfen und Nesteingänge mit Schmirgelpapier von Holzfasern reinigen. Bohrgänge nicht zu dicht anordnen (mind. 2 cm Abstand).

2. Hohle und markhaltige Pflanzenstengel
10-20 cm lange Pflanzenstengel dicht gepackt in Kunststoffröhren, Büchsen oder Zwischenräume stecken, oder Stengel als Bündel fest zusammenschnüren (siehe auch Seite 21). Darauf achten, dass auch vertikal stehende Stengel angeboten werden.

3. Strangfalzziegel
Beim Dachdecker fragen wir nach alten Strangfalzziegeln, die wir leicht übereinander stapeln können. Ihre Hohlräume eignen sich für Nester steinbewohnender Bienen.

4. Morsches Holz
Für Wildbienen, die ihre Nester selber ausnagen, bieten wir kernfaules Holz an. Der Test: Können wir das Holz mit dem Finger nagel leicht aufkratzen, so ist es für Bienen nagbar.


5. Steilwand
Löss oder leicht tonhaltiger Sand in Tonelemente einfüllen. Die Wand darf für selbstgrabende Wildbienen nicht zu hart werden. Test: Lehm muss mit den Fingernagel aufkratzbar sein.
Auch ohne Einblick in das Innere der Nester erhalten wir von außen viele Informationen über das Leben der Wildbienen.

Bau der Brutzellen

  • Welches Baumaterial wird verwendet?
  • Woher beschaffen sich die Bienen das Baumaterial?
  • Wie lange dauert ein Flug zur Beschaffung des
  • Baumaterials?
  • Wird das herangetragene Baumaterial weiterverarbeitet?
  • Mauerbienen z.B. unterbrechen von Zeit zu Zeit ihre Mauerflüge,
  • holen Wasser und pressen es in den Lehmmörtel ein.

Verproviantierung der Brutzellen
Bienen sammeln Pollen und Nektar als Futtervorrat für die Larven.

  • Wie lange dauert ein Verproviantierungsflug?
  • Mit welchen «Werkzeugen» wird der Pollen eingetragen?
  • Täglicher Aktivitätsrhythmus
  • Wann ist Arbeitsbeginn, wann Feierabend?
  • Wie lange dauern Ruhepausen?
  • Bei welcher Witterungen und Temperatur fliegen
  • Wildbienen noch?

Nestverschluss
Der Bau des Verschlusspfropfens ist ein handwerkliches Meisterstück. Blattschneiderbienen z.B. schneiden viele kreisrunde Blattstücke aus, legen sie locker in mehreren Schichten in den
Gang und verkitten sie mit einem Saft, der beim Zerkauen der Blätter mit Speichel entsteht.

  • Welches Material wird für den Verschlusspfropfen verwendet?
  • Wird der Nestverschluss besonders getarnt?
  • Wurde das Nest nach Abschluss der Bauarbeiten wieder geöffnet?

Verhalten der Männchen
Männchen auf Paarungssuche konzentrieren sich auf besonders lohnende Stellen. Ein erfolgversprechender Rendezvous-Platz ist eine Ansammlung von Nistplätzen mit frisch geschlüpften, unverpaarten Weibchen.

  • Warten die Männchen (oft in regelrechten Freierversammlungen)
  • Vor den Nisthilfen oder patroullieren sie die Nester im Flug ab?
  • Wie erfolgt das Patroullieren der Nester:
  • Auf festgelegten Bahnen oder in beliebiger Reihenfolge?
  • Werden die Nisthilfen gegen artgleiche Männchen verteidigt?

Wildbienen HotelDas Wildbienen-Hotel

Auch wer keinen eigenen Garten besitzt, kann Wildbienen anlocken. Dazu braucht es lediglich Balkonkisten mit einheimischen Wildpflanzen und ein Bett im Wildbienen-Hotel. Für das Wildbienen-Hotel zimmern wird uns einen Nistkasten mit einem hervorstehenden Regendach und unterteilen es in verschiedene Appartements. Die Appartements richten wir nach den verschiedenen Ansprüchen unserer Gäste ein: Ein Abteil aus Harthölzer mit vorgebohrten kleinen Löchern (3–4 mm Durchmesser) und eines mit grossen Löchern (6–8mm), ein Appartement vollgepackt mit hohlen